Der Ehrgeiz eines jeden Curlers ist es, Skip zu werden. Für dieses hohe Ziel sind nicht nur meisterliches Spiel sondern auch höchste moralische und intellektuelle Qualitäten vonnöten. Der Mann, der einen Rink skippt, kann ein Königreich regieren.
Der Club entscheidet, wem diese Ehre zuteil wird. Dies wird in der Regel an der Jahresversammlung festgelegt. Bei der Wahl ihrer Skips können die Clubs nicht sorgfältig genug vorgehen, denn von ihrer Wahl hängt in hohem Mass ihre eigene Reputation ab. Es darf keine Schmeicheleien und heimliche oder zweifelhafte Absprachen geben. Alles muss fair und sauber sein, und die Skips sollten nach ihren Verdiensten ausgewählt werden und nicht, weil sie Patron, Präsident oder Clubgeistlicher sind. Die besten Curler eines Clubs sind oft sehr bescheiden. Die Skips sollten auf Lebenszeit ernannt werden oder bis sie sich etwas zu schulden kommen lassen (ad vitam aut culpam); und sollten nicht jedes Jahr wieder ausgewechselt werden, ausser dass man sie der Unbeherrschtheit oder Unfreundlichkeit für schuldig befindet.
Die Wahl der Spieler sollte den Skips überlassen werden. Auch diese sollten nicht jedes Jahr gewechselt (disarranged) werden. Vakanzen sollten ergänzt werden, so wie sie sich ergeben. Die Kontinuität muss gewahrt bleiben. Der Skip wird seine Männer (Frauen? [Anm. der Red.]) ihren Stärken entsprechend einsetzen. Der Lead ist einer, der einen Draw spielen kann. Der Second jemand, der gut guarden kann und der Third ist ein Spieler, der harte Shots oder – wenn erforderlich – Draws spielen kann. Korpsgeist ist eine wichtige Sache innerhalb des Teams. Das Quartett muss gut zusammenarbeiten und einander zugetan sein. Wir haben auf dem Dalkeith-Weiher feinstes Curling von vier Brüdern gesehen, die ihr Spiel untereinander auf's Haar genau kannten. Sie spielten, als ob sie jede Situation in der Nacht vorher diskutiert und die Vorgehensweise festgelegt hätten.
Auf dem Eis herrscht Gleichheit, jedoch nicht in Anwesenheit des Skips. Der Russische Diktator schwingt sein Zepter nicht uneingeschränkter als der Chef eines Curling Teams (director of a rink of curlers):
Des Skippers Anweisung ist unumstössliches Gesetz!
Er wurde ausgewählt, damit er vorschreibt, was zu tun ist, und es ist seine Pflicht, keine Einmischung in seine Anweisungen zu dulden. Wenn er Befehle gibt, muss er dafür sorgen, dass diese befolgt werden. Aber während der Skip mit eisernem Besen regiert und niemandem erlaubt, seine Anweisungen in Frage zu stellen, muss er mit Fehlbaren nachsichtig umgehen. Er darf nicht schimpfen, wenn ein Spieler einen Stein verfehlt. "Das sieht Dir nicht ähnlich!", "Das passiert Dir nicht sehr oft!", "Beim nächsten Mal dann...!" sind Bemerkungen, die der Form des Spielers eher zuträglich sind als eine Flut von Beschimpfungen. Der Skip muss daran glauben, dass seine Spieler immer ihr Bestes geben. Ja sogar, wenn der Spielverlauf sich gegen sie wendet, darf er gegenüber Freund und Gegner gleichermassen weder schmollen noch schimpfen und schäumen vor Wut.
Curling ist ein heikles Spiel und manches Match wurde in der elften Stunde durch den grossartigen Mut des Skips gewonnen, der nie besser spielte, als wenn er ein verloren geglaubtes Spiel spielte. Welcher Eifer brennt in den Männern und feuert ihre Begeisterung mehr an, als wenn der Skip sein Lob mit Ausrufen wie "Du bist ein echter Curler!", "Schau Dir das an!" oder "Du bist der König der Curler!" kundtut. Er darf niemals zulassen, dass die Aufmerksamkeit der Spieler erlahmt.
Es liegt an unseren Skips, dafür zu sorgen, dass wir die alten Schottischen Redensarten und Werte pflegen, die das Spiel mit längst vergangenen Zeiten verbinden. Sie bewahren die alt-ehrwürdigen Traditionen dieses noblen Sports, sie hegen dessen stolzen Charakter und lassen niemals zu, dass etwas Schändliches oder Unehrenhaftes dessen Schönheit beeinträchtigt.
(aus By John Kerr, M. A., F. S. A. Scott. 1890)
- leicht gekürzt – und übersetzt von Volker Dreckmann